Home / Psychologische Beratung, Therapie und Coaching / Archiv / Hagiotherapie: Niemand ist unheilbar

Ihr Online-Newsletter: Jetzt bestellen

In unserem Newsletter informieren wir Sie jeden Monat über Neuigkeiten aus den unterschiedlichen Rubriken!

Therapie & Coaching: von A-Z
Therapie Lexikon
Coaching
coach, bild: krockenmitte / photocase.com

Wer sich coachen lässt, weil er unzufrieden mit seiner Situation ist und sich weiterentwickeln will, findet beim Coaching einen neutralen Gesprächspartner, der den Ratsuchenden individuell unterstützt. Der Coach hilft dem Klienten, sich kritisch wahrzunehmen und Verantwortung für sich zu übernehmen. Der Klient soll lernen, sein Verhalten weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen.

Archiv

Weitere Artikel zum Thema Psychologische Beratung, Therapie & Coaching finden Sie hier in unserem Archiv!

Titelthema 05/12

Hagiotherapie: Niemand ist unheilbar

Hagiotherapie
Bild:
breakiStockphoto.com

Wenn bei einer Krankheit nichts mehr zu helfen scheint, stellt sich die Frage, woran das liegt. „In allen Kulturen werden hier spirituelle Aspekte in die Therapie einbezogen“, sagt Dr. Hein Reuter. Der Allgemeinmediziner meint: „Der pastorale Ansatz erlaubt einen Zugang zum Geist des Menschen - zu dem Bereich, der dem Intellekt nur schwer zugänglich ist.“ Zum Beispiel durch das kontemplative Gebet.

Hagiotherapie und Entscheidungstherapie sind zwei Ansätze, mit denen Dr. Hein Reuter seit 1992 arbeitet. „Das eigentliche Drama der Schulmedizin ist, dass wir immer mehr Probleme ganz genau beschreiben können, aber nur selten auch Lösungsansätze oder gar Heilung anbieten können.“ Die Diagnoseverfahren werden immer besser. Doch noch immer gibt es Krankheiten, bei denen der Arzt dem Patienten sagt, „damit müssen Sie leben!“ Es ist dieser Satz, der den Allgemeinmediziner nicht ruhen ließ. „An der Universität wurde uns Studenten ganz ehrlich gesagt: Sie lernen hier nur eine Seite der Medizin kennen. Um die anderen müssen Sie sich selbst kümmern.“ Reuter hat sich gekümmert. Akupunktur, Homöopathie und Therapeutische Seelsorge sind heute seine Schwerpunkte.

Die Angst der Mutter

Um seine Arbeit zu beschreiben, erzählt er von dem kleinen Jungen, der von Asthmaanfällen geplagt in seine Praxis kam. „Ich wollte beweisen, dass man das Kind heilen kann.“ Die Hälfte seines bisherigen Lebens hatte er in Krankenhäusern verbracht. „Er sprach schlecht, konnte nicht einschlafen.“ Wie er die spätere Einschulung schaffen sollte, war nicht klar. „Mit Homöopathie und Akupunktur ist es gelungen, dem Kind Linderung zu verschaffen.“ Der Durchbruch aber, „die Heilung“ ließ auf sich warten, erzählt Hein Reuter. In Gesprächen mit dem Jungen wurde deutlich: „Er hatte Angst vor der Nacht und dass er aufwacht und einen Asthmaanfall bekommt.“ Hein Reuter hat mit dem Kind gebetet. „Der betet jetzt immer und schläft gut“, berichtete die Mutter später. Und: „Ich habe aber immer Angst, dass er bei einem Asthmaanfall erstickt, ich kriege da Panik.“ Für Hein Reuter war dies - nachdem er das Kind zwei Jahre behandelt hatte – der Schlüssel zum Durchbruch. „Der Bruder der Mutter hatte als Kind Scharlach gehabt und war daran erstickt.“ Die Krankheit des Buben war eigentlich die Angst der Mutter.

Hein Reuter hat mit ihr einen Vertrag gemacht. „Das Kind darf auch mal husten, ohne dass ich Panik habe, dass es stirbt“ lautete ihr Part. „Sie hat das Kind freigegeben“ sagt Hein Reuter. Er hat Mutter und Sohn danach nicht mehr in seiner Praxis gesehen. Sechs Jahre lang. Durch Zufall hat er ihn wieder getroffen. „Der Junge war längst im Gymnasium, war ein charmanter Teenager geworden, dem die Mädchen aufmerksam begegneten. In Deutsch und Sport hatte er Bestnoten und an die Krankheit dachte er schon lange nicht mehr.“ Die Mutter hatte sich nicht mehr gemeldet, „weil er nichts mehr hatte.“

Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

„Entscheidungstherapie“ nennt der Allgemeinmediziner das von ihm entwickelte Konzept, um an tiefe, schicksalhafte Zusammenhänge zu gelangen und offensichtlich unausweichliche Situationen nachhaltig zu beeinflussen, wie er sagt. „So gelingt es, aus unheilbaren Krankheiten heilbare zu machen.“ In längeren Behandlungsgesprächen von 50 bis 60 Minuten geht es um Themen und Aspekte, die im normalen Arztgespräch zu kurz kommen. „Hier werden die Weichen für echte Heilung gestellt“, so Reuter. Und: „Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen ist ein Schlüssel für die Gesundheit und Lebensqualität.“

Ein anderer Schlüssel der Therapeutischen Seelsorge ist die Hagiotherapie. „Der schlummernde Geist wird geweckt und genährt, um wieder die Leitung von Körper und Seele zu übernehmen“, so Dr. Reuter. Begründer der Hagiotherapie ist Tomislav Ivančić, katholischer Priester und Professor an der Universität Zagreb. „Professor Ivančić ist es gelungen, mit der Hagiotherapie einen pastoralen Ansatz in der Therapie zu schaffen, der besonders in der Behandlung von Kriegsopfern im ehemaligen Jugoslawien erfolgreich angewandt wurde“, so Hein Reuter. „Ich habe Patienten mit festem Glauben erlebt, die hatten ganz andere Krankheitsverläufe.“ Bessere. „Die gute und selbstverständliche Teamarbeit von Seelsorgern mit Ärzten und Psychologen ist in Deutschland trotzdem längst nicht etabliert. Da sind angloamerikanischem aber auch kroatische Modelle schon sehr viel weiter.“

„Ärzte können heute fast alles bestimmen. Da ist jeder Respekt vor der lebendigen Kreatur verloren gegangen“, sagt Hein Reuter. Im richtigen Moment „Stopp“ sagen, empfiehlt er seinen Patienten. „Ich begleite viele Sterbende. Wenn ein Mensch weiß, wo er hingeht und sagt, „Ich gehe heim“, dann mache ich mir schon meine Gedanken“. Nicht immer besteht wirklich Handlungsbedarf für den Arzt. „Hin und wieder ist es wichtiger, Anteil an Gottes Plan zu nehmen und schweigend zu begleiten anstatt zu stören.“

Buchtipps:

Tomislav Ivancic: Therapie des Geistes, Theovision, Donzdorf
Mutter Basilea Schlink: So wird man anders, Evangelische Marienschwesternschaft, Darmstadt

Wenn Sie mehr über Entscheidungstherapie oder Hagiotherapie wissen wollen: Sie finden Dr. Hein Reuter und andere Experten in unserer Expertensuche


 Zurück



Aktuell sind 26 Besucher online.