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Titelthema 05/12

Alternative Energien: Die Wüste lässt grüßen

Alternative Energien, Strom
Bild:
istockphoto.com

Bis 2050 kann ganz Europa sicher und preiswert mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Was derzeit noch fehlt, ist ein intelligentes Stromnetz. Denn um den Kontinent von Öl und Atom unabhängig zu machen, müssen die Sonne der afrikanischen Wüste und der Wind im hohen Norden angezapft und weitertransportiert werden. Wer nicht so lange warten will, kann seinen Stromanbieter schon mal wechseln und auf Ökostrom umstellen.

1995 - die Umweltministerin hieß damals noch Angela Merkel - lag der Anteil der erneuerbaren Energien gerade mal bei 4 Prozent. Heute sind es 16 Prozent - diese Zahl wäre damals als vollkommen realitätsfern belächelt worden. Und es geht nicht nur weiter voran. Eine kleine Sensation verspricht die Studie „Fahrplan 2050“, im Auftrag der in Den Haag ansässigen Europäischen Klimastiftung ECF von der Firma McKinsey erstellt. Ihr Ergebnis: Bis zum Jahr 2050 kann die komplette Stromversorgung Europas durch Wind-, Wasser- und Sonnenkraft geleistet werden. Und zwar sicher und preiswert.

Die Studie ist auch deshalb interessant, weil sie mit den sehr konservativen Zahlen der Energieindustrie rechnet und somit die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren Energien eher unter- als überschätzt. In dem Szenario wird Strom aus nordafrikanischen Wüsten sowie Windrädern an der norwegischen Küste einbezogen - Projekte, die bereits in Planung sind.

Als „interessengeleitete Angstkampagnen“ bezeichnet deshalb Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, „die ständig wiederholte Behauptung, Erneuerbare Energien seien sündhaft teuer und nicht in der Lage eine verlässliche Vollversorgung mit Strom sicherzustellen“. Die Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist realistisch, sicher und bezahlbar, ist die Deutsche Umwelthilfe überzeugt. Und zwar innerhalb einer Generation.

Auch für Germanwatch gibt es keinen Grund mehr, auf „Risikotechnologien“ wie Kernkaft und Kohle zu setzen. Freilich: „Die Herausforderungen sind enorm.“ Unter anderem muss ein bedarfsgesteuertes europäisches Stromnetz aufgebaut werden. Politiker, Unternehmer und Bürger müssen von der Aktion überzeugt und für sie begeistert werden. Weshalb Germanwatch jetzt die Kampagne „100 % Zukunft“ gegründet hat.

Die Aktionen stehen unter dem Motto „1 > 10 > 100 > 1000“. Im Herbst geht’s los.

  • Germanwatch wird zunächst zehn Regionen aussuchen, in denen wichtige deutsche Politiker und EU-Abgeordnete ihren Wahlkreis haben oder die als Modellregionen für eine klimafreundliche Energieversorgung dienen können.
  • In diesen zehn Regionen sollen 100 Aktive, wie etwa Unternehmer, Vertreter der Zivilgesellschaft, Politiker, aber auch einzelne Bürger gewonnen werden, die sich vernetzen, für eine ökologische Energiezukunft eintreten und in einen direkten Dialog mit den Politikern vor Ort treten - zum Beispiel bei Veranstaltungen und Aktionen oder vielfältigen anderen Aktivitäten.
  • Diese 100 sollen insgesamt 1.000 weitere Aktivisten gewinnen.

„Nur wenn viele Akteure etwas verändern, ist der Umbau zu einer klimafreundlichen und sicheren Versorgung mit Strom und Wärme möglich“, sagt Germanwatch. Weshalb jeder zum Mitmachen aufgefordert ist. In den ausgewählten Regionen sollen beispielsweise Runde Tische und öffentliche Veranstaltungen stattfinden, Leuchtturmprojekte angestoßen, Bürgersolarfonds gegründet und Lobbyaktivitäten abgesprochen werden.

Es gibt also viel zu tun. Wer immer noch keinen Ökostrom bezieht, sollte am besten damit anfangen und den Anbieter wechseln. Ökostrom ist oft nämlich gar nicht viel teurer. Tipps dazu gibt es beim Deutschen Naturschutzring, dem Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände. Die Adresse: www.atomausstieg-selber-machen.de.

Unsere Surf-Tipps:

Link zur Studie der Europäischen Klimastiftung: http://www.roadmap2050.eu/
Link zur Kampagne von Germanwatch: http://www.100prozentzukunft.de/
Link zum Strom aus Wüsten: http://www.desertec.org

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