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5 Elemente: Essen im Gleichgewicht
Es geht nicht um Patentrezepte und es gibt keine Schubladenlösungen. Kochen nach den fünf Elementen beruht auf den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin und „man muss hineinwachsen“, sagt Ernährungsberaterin Marion Dollinger. Das Ziel: durch die richtige Ernährung Yin und Yang ins Gleichgewicht zu bringen.
Die chinesische Medizin, in tausenden Jahren entwickelt, ruht auf fünf Säulen: der Kräutertherapie, der Akupunktur, den Bewegungstechniken, Massagetechniken und der Ernährung. Sie alle dienen dazu, Yin und Yang im Gleichgewicht zu halten.
In der westlichen Welt gelingt dies freilich nur noch wenigen. Viel Arbeit, wenig Schlaf, keine Zeit zum Meditieren: „Aktive und passive Phasen wechseln sich nicht mehr ab, wir machen zu viel“, sagt Marion Dollinger.
Wer im Gleichgewicht ist, hat keine körperlichen Probleme, er fühlt sich nach dem Essen wohl und energiegeladen. Das kleine Ungleichgewicht, das durch den erhöhten Energiebedarf für die Verdauung benötigt wird, gleicht der Mensch aus, indem er nach dem Essen ein bisschen langsamer macht. Doch die Realität sieht anders aus. Statt Pause zu machen, wird in der Arbeit ein Schokoriegel zwischen die Zähne geschoben. Und abends ist Freizeitprogramm angesagt - keine Zeit zum Kochen.
Dass der Körper irgendwann nicht mehr mitspielt, ist kaum verwunderlich. „Die Ernährung sollte an erster Stelle stehen“, sagt Marion Dollinger, „schließlich führen wir uns jeden Tag Essen zu.“ Die Dozentin für chinesische Ernährungslehre, die in ihrer Praxis in München auch Kochkurse anbietet, will keine Patentrezepte anbieten. „Es gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen, dazu sind die Menschen zu verschieden.“ Von einem freilich ist sie überzeugt. „Man kann den Körper mit der richtigen Ernährung wieder ins Gleichgewicht bringen.“
In der Ernährungslehre nach den fünf Elementen werden die Lebensmittel den fünf Elementen Erde, Feuer, Wasser, Metall und Holz zugeordnet. Die wiederum stehen für bestimmte Geschmacksrichtungen, Organe und Jahreszeiten: Sauer steht für das Element Holz (Frühling/Leber und Galle), bitter für das Element Feuer (Sommer/Herz und Dünndarm), süß für Erde (Spätsommer/Milz und Magen), scharf für Metall (Herbst/Lunge und Dickdarm) und salzig für das Element Wasser (Winter/Niere und Blase).
Prinzipiell sollten bei jedem Mahl die fünf Elemente zu gleichen Teilen vertreten und gewichtet sein. Ist der Körper bereits im Ungleichgewicht, kann mit entsprechenden Speisenzusammenstellungen und Zubereitungsarten gegengesteuert werden. „Mit Hilfe der richtigen Ernährung können kleinere Ungleichgewichtszustände im Körper ausgeglichen oder behoben werden“, sagt Marion Dollinger. Das gilt für Verdauungsprobleme und Energiemangel genauso wie für Schlafstörungen, Kälteempfinden (zum Beispiel kalte Füße) bis hin zu Klimakteriumsbeschwerden.
Das ist nicht einfach, aber kann erlernt werden. Eines der Hauptprobleme: „Wir Westeuropäer denken gerne in Schubladen.“ Statt zu fühlen, was uns gut tut oder nicht, vertrauen wir auf einfache Lösungen. Ein Apfel ist aber nicht nur ein Apfel. Ein Apfel kann gelb und süß sein oder grün und sauer. Je nachdem hat er mehr Erd- oder mehr Holz-Anteile. Und er kann unterschiedlich zubereitet werden. Isst man ihn roh oder wird er, wie oft in der Weihnachtszeit, mit Gewürzen gedünstet? Die Zubereitung hat Auswirkungen auf seine thermische Wirkung. Sie entscheidet darüber, ob er eher kühlt oder eher wärmt.
„Man muss auf den eigenen Körper hören. Fühle ich mich wohler, wenn ich gerade Kässpatzen gegessen habe oder nach Reis mit Fisch und Gemüse?“ Wer hart körperlich arbeitet braucht anderes Essen als ein Kind, das angestrengt lernen muss. Auch wenn beide viel Energie benötigen. „Wir müssen offener werden und spielerischer mit dem Thema Essen umgehen“, ist Marion Dollinger überzeugt. „Beißen Sie in eine Chili. Dann wird Ihnen heiß.“ Zur Gegenprobe darf eine Salatgurke herhalten. „Sie kühlt.“ Versuch und Irrtum sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.
Und oftmals ist es schon eine Hilfe, auf den heimischen Gartenkalender zu schauen. Denn prinzipiell gilt: Was gerade auf den Feldern wächst, bekommt uns meistens auch. Das hat die Natur von selbst so eingerichtet. Momentan ist also die richtige Zeit für eine schöne warme Hühnersuppe und ein gekochtes Kraut.
Buchtipp:
Gisela Baule und Erica Bänziger: Kochen mit den fünf Elementen
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